Wandertipps

Südtirol: Almen und Gipfel im Gsieser Tal

Wandern im Gsieser Tal in Südtirol

Wie jedes Jahr habe ich eine Wanderwoche in Südtirol verbracht, und zwar im herrlichen Gsieser Tal: Es ist ein Tal wie aus dem Bilderbuch – überall stattliche Höfe, oft alt und mit von der Sonne geschwärzten Balkonen, liegen sie wie zufällig in die Blumen- und Kräuterwiesen eingestreut.

Im Tal der Almen

Almen im Gsieser Tal in Südtirol

Tal der Almen, so nennt sich das Gsieser Tal heute, zu Recht. Es liegt in der Kronplatzregion zwischen den Ausläufern der Rieserfernergruppe und den Defregger Alpen und geht vom Pustertal nach Norden weg und ist nur durch das Gsieser Törl vom Osttiroler Defereggental getrennt. Bis St. Magdalena verläuft es ziemlich flach und erweckt einen weiten und sonnigen Eindruck. Während man im Talboden Wiesen, Siedlungen und Höfe sieht, sind die Hänge auf beiden Seiten des Talbodens mit dichten Tannen- und Fichtenwäldern bewachsen.

So viel zur geografischen Einordnung. Ansonsten ist es ein Wandertal par excellence. Grüne Almen, alte, schwarz verbrannte Almhütten, Wälder, felsige Gipfel und ein Bergsee, der nur auf mich zu warten schien, den ich aber leider ob der Kürze der Zeit versäumte, bestimmen hier das Bild. Dazu Aussicht von oben über Süd- und Osttirol vom Feinsten. Und, um auch auf etwas Kultur zu sprechen zu kommen: Nirgendwo sonst habe ich derart kunstvoll geschnitzte Balkongeländer gesehen wie im Gsieser Tal.

Kulturell interessant sind auch die alten Erzählungen über die Schnabelmenschen, die man im Gsieser Tal zu hören bekommt: Dies waren seltsame Gestalten. Waren die Bauern gut und fromm, so halfen sie ihnen. Aber wehe sie waren böse und gingen sonntags nicht in die Kirche. Dann konnten die geschnäbelten Wesen sich von ihrer unangenehmen Seite zeigen. So erzählt jedenfalls eine alte Sage. Wir haben die Schnabelmenschen jedoch nicht gesehen, sondern nur lauter freundliche Wesen, die uns verwöhnten oder wie Bergführer Paul Sapelza, der mich auf die Höhe führte.

Über Almen bummeln

Vor Jahren war ich schon einmal hier und hatte die Landschaft in bester Erinnerung. Und diese hat mich nicht getäuscht. Über Almen bummeln, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

Eine Alm im Gsieser Tal

Als “Klettersteigpapst” Eugen E. Hüsler ausnahmsweise einmal wandernd unterwegs war schrieb er in einem Führer zu dem Tal: “Das Gsies ist kein Tal alpiner Sensationen; markante Gipfelzacken sucht man hier ebenso vergebens wie leuchtendes Gletscherweiß. Dafür ist hier noch manches ursprünglicher als anderswo, den bäuerlichen wurzeln Südtirols näher. Auf den Almen weidet im Sommer das Vieh, wird da und dort gekäst.”

Zwei Gipfelkreuze auf einen Streich

So eingestimmt ging es los. Paul holte mich morgens ab. Etwas schlaftrunken noch, schließlich ist ja Urlaub, torkelte ich mehr als ich ging zu seinem Auto. Paul kannte sich aus, kannte schließlich jeden Gipfel, zumindest jeden Stein, jeden Bauernhof oder jede Alm, auf jeden Fall aber jeden Einheimischen, der uns begegnete mit dem Vornamen und fuhr gleich mal ein Stück den Berg hinauf. Warum sich mit zwei Beinen plagen, wenn es viele Pferdebeine, sprich -stärken, gibt, die einem dies abnehmen.

Danach hieß es aber wandern. Immer auffi. Weg Nummer 10 in Richtung “Ascht-Alm” war unsere Devise. Eine etwas kürzere, dafür aber steilere Abkürzung verschmähten wir, denn man wäre außer Atem gekommen und das Ratschen hätte darunter gelitten. Ein gemütlicher Wirtschaftsweg brachte uns durch den lichten Lärchenwald hinauf in die Almregion. Zahlreiche Holzhütten, Schupfen und Almgebäuden säumten den Weg, rechts oben lag die Gastwirtschaft der Ascht-Alm, die wir aber unbesucht dort liegen ließen.

Die Blumen blühten jetzt im Bergfrühling um die Wette und jeder von uns beiden wusste die eine oder andere Pflanze zu benennen. Der Weg wurde etwas steiler und schließlich wanderten wir auf einem Steig bis zur Pfinnscharte (2395 m).

Pfinnscharte im Gsieser Tal

Jetzt bot sich uns nicht nur ein Blick hinab ins Gsieser Tal sondern auch auf die andere Seite des Bergmassivs, ins Karbachtal und zu den Südtiroler Bergen im Westen.

Jetzt folgte ein Steilaufstieg hinauf zum Karbacher Berg/Fellhorn (2518 m), dem höchsten Punkt dieser Tour. Auch ein Gipfelkreuz gab es hier. Und eine Rundumsicht zu den Gipfeln, die man als Südtirolwanderer aus eigenem Erleben, zumindest aber vom Namen her kennt.

Gipfelkreuz auf dem Karbacher Berg/Fellhorn

Auch das nächste Ziel, das tiefer liegende Hörneckele, war zu sehen. Wir erreichten es auf Weg 52a über einen Höhenrücken, der uns immer meinen ließ, in die Luft fliegen zu können.

Aussicht auf dem Weg zum Hörneckele

Auch das Hörneckele (2127 m) besitzt ein Gipfelkreuz, zudem liegt es gefühlt fast senkrecht über dem Gsieser Tal mit einem Blick hinab nach St. Martin. Hier soll eine Aufzählung der Gipfel folgen, die man von links nach rechts sieht und für die ich Paul recht danke.

Gipfelkreuz auf dem Hörneckele

Es beginnt links mit den Sextener Dolomiten, bekannte Bergnamen sind hier Dreischusterspitze und Haunold, danach folgt der Einschnitt des Höllensteintals, anschließend geht es mit den Pragser Dolomiten weiter: Monte Cristallo, Dürrenstein, Hohe Gaisel, Tofaner Dolomiten im Hintergrund und Seekofel.

Nun begann, der schönen Landschaft zum Trotz, der unangenehmere Teil der Wanderung: der Abstieg. Zuerst wanderten wir auf einem schönen Panoramaweg und vorbei an einer Baby-Kreuzotter, die sich vor uns über den Weg schlängelte und dann im hohen Gras verschwand. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ein steiler Abstieg über die Ragotzalm oder ein etwas einfacherer über die bekannte Ascht-Alm.

Mit Aussicht von Alm zu Alm

Den nächsten Tag packten Paul und ich etwas gemütlicher an. Bergauf ging es natürlich trotzdem. Und die tief hängenden Wolken am Morgen machten Gipfeltouren auch nicht gerade einladend. Aber eine Wanderung durch die Almwiesen, ab und zu an einer Alm vorbei, am Schluss sogar mit einer Einkehr in einer Alm, ist immer möglich. Und dass im Laufe des Vormittags sogar die Sonne herauskam, war zwar nicht hundertprozentig abzusehen, aber doch erhofft.

Neblige Morgenstimmung auf dem Kalksteinjöchl

Auf der Wanderung berührten wir bzw. wanderten wir auf verschiedenen Themenwegen: Schmugglersteig, Bonner Höhenweg, Almweg 2000, Talblickweg und Über die Jöcher als Wegnamen zeigen in etwa, wo wir uns herumtrieben.

Zuerst ging es mit vier Rädern hinauf zu einem Parkplatz vor dem Wald; hier wies schon ein Schild auf den Schmugglerweg hin. Von dort aus folgten wir dem Wirtschaftsweg, der sich gemütlich durch einen schönen Wald hinaufschraubte, als Ziel war “Kalksteinjöchl Tscharnied” angeschrieben.

Der Weg führte durch weite Flächen von Alpenrosenbüschen, alle in vollster Blüte – wenn man das einmal gesehen hat weiß man auch, woher der Name Almrausch kommt. An der Tscharniedalm ging es nach rechts hinauf und zahlreichen Serpentinen bis zur Freifläche, die nicht nur, wie in dieser Höhe üblich, von bloßem Gras bewachsen war, sondern von der aus man auch eine herrliche Aussicht hinab ins Gsieser Tal und hinüber zu dem Höhenzug hatte, der das Ziel des vorhergegangenen Tages war.

Heuhütte über dem Gsieser Tal

Schließlich war das Kalksteinjöchl auf 2326 Metern Höhe erreicht. Die Aussicht selbst war auch vom Feinsten. Und was man auch sehen konnte und worauf mich Paul aufmerksam machte: Nach Süden sah man nicht wie eigentlich erwartet zu den Südtiroler Bergen, sondern nach Osttirol!

Hier berührten wir auch den bekannten Bonner Höhenweg. Für uns ging es aber nun die ausgedehnten Almrauschflächen bergab – mehrere Almhütten lagen vor uns und waren schon gut zu erkennen. Der Blick hinab ins Gsieser Tal ließ einen fast meinen, man hätte Flügel und könnte gleich abheben.

Wanderung mit Blick ins Gsieser Tal

An der Kipflalm ging es rechts ab und erreichten den Almweg 2000. Er hat seinen Namen nicht von der Jahreszahl, sondern von der Höhe, auf der er im Wesentlichen verläuft. Nach weiterem Bergab standen wir vor der Stumpfalm. Kurz vor ihr waren zwei markante, uralte Lärchen zu bewundern, dann lockte aber eine Einkehr und eine Rast. Bei selbstgemachten Säften, Kuchen und Eiern mit Speck ließ es sich gut aushalten.

Die Pause war aber auch nötig, denn nach der Hütte wartete ein Weg, der zwar anfangs durch einen schönen Wald führte, aber direkt in der Falllinie bergab führte. So steil wie sich das anhörte war es dann auch. Trotzdem: Es war sicher nicht das letzte Mal, dass es mich ins Gsieser Tal lockte.

Weitere Informationen:

Tourismusverein Gsieser Tal-Welsberg-Taisten

Unterkunftstipp:
Hotel Quelle
Magdalenastr. 4
39030 Gsies
Italien

Empfohlene Karten:
Kompass Wandern Rad Skitouren 45 Defereggental Villgratental, 1:50000

Bergführer:
Paul Sapelza
Klettern, Wandern, Skitouren, Schneeschuhtouren
info@alpinschule.com

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