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Von Tirol in die Welt – 200 Jahre Stille Nacht! Heilige Nacht!

Stille Nacht! Heilige Nacht! gesungen in Tirol

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist wohl eines der bekanntesten und weltweit am häufigsten gesungene Weihnachtslieder. 2018 feiert es sein 200-jähriges Jubiläum. Doch kaum einer weiß, dass es von Tirol aus die ganze Welt erobert hat!

Es waren leise Töne, die am Heiligabend des Jahres 1818 in der Nikola-Kirche in Oberndorf bei Salzburg erstmals erklangen – nur Gitarre und zweistimmiger Gesang – und doch sollten sie zum berühmtesten Lied der Welt werden. Über einen Tiroler Orgelbauer gelangte das von zwei Salzburgern geschriebenen und komponierte Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ von Oberndorf bei Salzburg nach Fügen im Zillertal.

Stille Nacht! Heilige Nacht! – Von Tirol in die Welt

Joseph Mohr schrieb bereits 1816 in Mariapfarr im Salzburger Lungau die berührenden Gedicht-Strophen. Franz Xaver Gruber komponierte zwei Jahre später an Weihnachten die Melodie dazu, nicht ahnend, dass jenes schlichte Weihnachtslied eines Tages Weltruhm erlangen würde.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ war eine Friedensbotschaft, die sich wie ein Lauffeuer rund um die Welt verbreitete. Heute gibt es kaum jemanden, der die besinnliche Melodie – die in mehr als 300 Sprachen und Dialekten gesungen wird – nicht kennt, doch nur wenige wissen, dass die Ursprünge des schlichten Weihnachtsliedes im SalzburgerLand liegen, dass Franz Xaver Gruber in Oberösterreich geboren und aufgewachsen ist und dass die Verbreitung des Liedes über Tirol erfolgte. Seit 2011 steht das „Stille Nacht! Heilige Nacht!“-Lied auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreich und symbolisiert das Weihnachtsbrauchtum.

Der Weg des Liedes führt heute quer durch das SalzburgerLand, Oberösterreich und Tirol. Liebevoll eingerichtete Museen, Kirchen und Gedenkstätten erinnern in allen Stille Nacht-Orten an die Geschichte und Verbreitung des berührenden Liedes und das Leben und Wirken von Pfarrer Joseph Mohr und Komponist, Organist und Lehrer Franz Xaver Gruber. 2018 ist es nun 200 Jahre her, dass das Lied erstmals zu hören war. Anlässlich dieses Jubiläums feiert Österreich die Entstehungsgeschichte und Verbreitung des Liedes in der Welt mit neuen und attraktiven Aktivitäten.

Die „Stille Nacht! Heilige Nacht“-Orte in Tirol

Über einen Tiroler Orgelbauer gelangte „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ von Oberndorf bei Salzburg nach Fügen im Zillertal. Und von Tirol aus eroberte es die ganze Welt: Die Geschwister Strasser aus Hippach und die Rainer Sänger machten als Tiroler Natur- und Nationalsänger das Lied in Europa, Russland und den USA bekannt. Gemeinsam mit der Region Achensee bilden Fügen und Hippach die drei Stille-Nacht-Orte in Tirol.

„Stille Nacht! Heilige Nacht“ – Fügen

Aus Fügen stammte der Orgelbauer Carl Mauracher, der aus Oberndorf den Auftrag erhielt, die Orgel der St. Nikola-Kirche zu reparieren. Hier lernte er auch Franz Xaver Gruber und das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ kennen und brachte es mit in seine Heimat.

Fügen war auch die Heimat der Geschwister Rainer, die als Mitbegründer der Tiroler Natur- und Nationalsängertradition gelten. Ein Schlüsselereignis für deren grandiosen Erfolg war ein kleines Hauskonzert, das die Rainers 1822 gaben: In diesem Jahr empfing der k.u.k. Major und Kämmerer Graf Ludwig von Dönhoff (1769–1838) auf Schloss Fügen Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland: Um die Gäste zu unterhalten, wurde für einen Abend ein Auftritt der Geschwister Maria, Felix, Franz und Joseph Rainer organisiert. Die prominenten Gäste waren von deren Gesang und Darbietung derart begeistert, dass der Zar sogar eine Einladung nach Russland aussprach. Fortan begaben sich die Geschwister – später bekannt als Ur-Rainer – auf Konzertreise. Auf Empfehlung traten sie von 1824 bis 1839 in zahlreichen Städten Europas und an den edelsten Fürstenhöfen, unter anderem auch vor dem englischen König Georg IV., auf.

Am Friedhof der Pfarrkirche in Fügen findet man ein Denkmal der Ur-Rainer-Sänger und die Grabstätte der Familie Dönhoff ebenso wie die Grabtafel von Carl Mauracher. Eine Gedenktafel erinnert an den Besuch von Zar Alexander I. von Russland und Kaiser Franz I. von Österreich in Fügen.

Im Heimatmuseum in der Widumspfiste ist dem Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ein eigener Bereich gewidmet: Hier findet sich die weltweit größte bekannte Stille-Nacht-Schallplattensammlung. Zahlreiche Platten können angehört werden. Außerdem erfährt der Besucher spannende Details über die Tiroler Nationalsänger aus dem Zillertal und den Orgelbauer Carl Mauracher, über altes Handwerk und den Bergbau in Fügen. Zu sehen ist außerdem eine Volkszither aus dem 19. Jahrhundert: Die Zither hatte sich mit den Nationalsängern neben der Gitarre zum prototypischen alpenländischen Instrument entwickelt.

„Stille Nacht! Heilige Nacht“ – Hippach

Aus dem Ortsteil Laimach der kleinen Gemeinde Hippach im Zillertal stammte die Familie Strasser mit den vier Geschwistern Anna, Joseph, Amalia und Karolina. An Weihnachten 1831 hatte die Bauersfamilie aus dem Zillertal ihren Stand am Leipziger Weihnachtsmarkt, wo sie neben dem Verkauf von Waren auch Weihnachtslieder aus ihrer Heimat darbot, darunter „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Die Begeisterung war so groß, dass sie im Jänner 1832 zu einem Konzert ins Leipziger Gewandhaus gebeten wurden. Weihnachten 1832 folgte ein weiteres Konzert in Leipzig. Zwischen 1832 und 1834 veröffentlichte der Verleger A. R. Friese aus Dresden eine Sammlung von echten Tiroler Weihnachtsliedern, darunter „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Aufgrund ihrer Erfolge in Leipzig widmeten sich die Strassers fortan ausschließlich dem Gesang und zogen als reisende Sängergruppe, von ihren Verehrern liebevoll „Lerchen vom Zillertal“ genannt, durch Deutschland. 1835 wurde die Gruppe aufgelöst.

Das Geburtshaus der Geschwister Strasser stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist ein völlig aus Holz erbautes Zillertaler Bauernhaus mit rauchgeschwärzten Holzbalken, einer alten Stube mit Walzenofen, Butzenscheiben und Türbeschlägen. Das denkmalgeschützte „Strasser Häusl“ ist heute ein Museum und erzählt über das karge Leben der Zillertaler Bauern von einst, die das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in die Welt getragen haben.

„Stille Nacht! Heilige Nacht“ – Region Achensee

Ludwig Rainer (1821 – 1893), ein Sohn Maria Rainers (aus der Gruppe der Ur-Rainer), gründete 1838 das Rainer-Quartett und legte damit den Grundstein für die zweite Generation der Rainersänger: Mit nur 18 Jahren reiste er gemeinsam mit Helene Rainer, Simon Holaus und Margareta Sprenger nach Amerika und absolvierte dort eine mehrjährige „Tournee“ als viel beachtete „Rainer Family“: Die Reise führte von Boston nach New York und weiter nach St. Louis und Philadelphia. Wahrscheinlich ist, dass am Weihnachtsabend 1839 in New York vor dem Hamilton Monument auch das erste Mal „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in Amerika gesungen wurde. Nach ihrer Rückkehr 1843 gründete Ludwig Rainer 1851 die „Rainer Gesellschaft“ mit mehreren Formationen und Gruppen, die an nahezu allen Herrscherhäusern Europas auftraten. So auch am Zarenhof in Moskau und Petersburg, wo sie über zehn Jahre lang verweilten. „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ war immer Teil des Repertoires. Als Ludwig Rainer 1868 nach Tirol zurückkehrte, ließ er das Hotel Seehof in Achenkirch am Achensee errichten, das 1870 eröffnet wurde. Das elegante und noble Haus zog – mit allem Komfort ausgestattet – Gäste aus aller Welt an und war auch Ludwig Rainers neue Heimat. Am 15. Mai 1893 verstarb Ludwig Rainer überraschend. Das Hotel wechselte im Laufe der folgenden Jahrzehnte mehrmals seine Besitzer und wurde nach der Jahrtausendwende infolge eines Großbrandes abgetragen.

Ludwig Rainer, berühmter Spross der Rainersänger, Botschafter von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und einer der ersten „Musikproduzenten“ fand seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Achenkirch. Auf seinem Grabstein liest man den Spruch: „Ausgelitten, ausgerungen, viel gereist und viel gesungen.“

Die Seehofkapelle mit Altar im neugotischen Stil am Achensee wurde auf Veranlassung von Ludwig Rainer erbaut und kann heute noch besucht werden.

Der „Sixenhof“, das Heimatmuseum Achental, vermittelt Besuchern gute Einblicke in Lebens- und Arbeitswelt der vergangenen Jahrhunderte am Achensee. Unter den Exponaten findet sich seit vielen Jahren die original Gewandtruhe von Ludwig Rainer. Ab November 2018 widmet sich eine neue Ausstellung dem berühmten Nationalsänger Ludwig Rainer und der internationalen Verbreitung des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

Info:
Ausführliche Informationen zu 200 Jahren „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ sowie zu den Stille Nacht-Orten im SalzburgerLand, in Oberösterreich und in Tirol sind zu finden unter www.stillenacht.com.

Mehr über Weihnachten in Tirol gibt es hier: Reisetipp Tirol: Rattenberer Advent

Foto: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ ist eines der meistgesungenen Weihnachtslieder weltweit. ©Tirol Werbung / Christoph Mallaun
Quelle: Tirol Werbung

 

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